Begleitetes malen mit kindern*


Wer einmal Kinder beim Malen oder Zeichnen beobachtet hat, wird sicherlich schnell festgestellt haben, dass dort nicht einfach nur gesehene Dinge auf das Papier wandern oder irgendwas aus der Umgebung abgebildet wird, sondern die Kinder [noch einmal] erleben, was sie dort gerade in Farbe und Form packen.

Es ist eine Geschichte, die - verbal und bildhaft verknüpft - erzählt wird und nur verstanden werden kann, wenn man dem Prozess des Mal-Erlebnisses beiwohnt. Deshalb ist bei Analysen und Deutungen äußerste Vorsicht geboten bzw. sollten grundsätzlich vermieden werden. 

Das Begleitete Malen kann auf vielfältige Weise unterstützend wirken, zum Beispiel bei:

  • Unruhe und Nervosität
  • Ängsten oder Hemmungen
  • mangelndes Selbstbewusstsein
  • Aggressivität
  • Verhaltensauffälligkeiten
  • Wahrnehmungs- und Bewegungsproblemen
  • Lern- und Konzentrationsschwierigkeiten
  • Entwicklungsproblemen oder -verzögerungen
  • Bindungsstörungen
  • sozialen und emotionalen Konflikten
  • Depressionen
  • ...

 

Um ihrer innewohnenden Kreativität unbelastet folgen zu können müssen Kinder eine Wertschätzung ihrer Person erfahren, die völlig unabhängig von Leistung oder Wissen erbracht wird. Nur dann können sie an ihre Ressourcen anknüpfen und wachsen.

 

Im DADAzwischen erhalten Kinder den erforderlichen Rahmen, den sie zur freien Entfaltung benötigen und in dem sie sich völlig bewertungs- und konsequenzfrei ausprobieren können.

Damit dieser Rahmen für jede*n ermöglicht werden kann, gibt es ein paar "Regeln" im Atelier:



Das kindliche Gestaltungsbedürfnis

Kinder begreifen durch ergreifen; verstehen durch anfassen. Das Heranwachsen ist also eigentlich ein Sammelsurium aus Materialerfahrungen. Für Kinder zählt das aktive Tun, der Prozess, das Hinterlassen einer Spur. Das gestalterische Tätigsein von Kindern basiert auf Körpererinnerungen, Freude an dynamischen Bewegungen und später auch dem Verarbeiten von Erlebnissen aus dem Alltag. Da dieses gestalterische Konzept dem eines Erwachsenen in der Regel gegenübersteht, werden Kinderbilder oft falsch interpretiert oder gedeutet. Kinder wollen nicht "etwas Schönes herstellen", sondern eine aufregende Erfahrung machen. :)

Auch beim Begleiteten Malen mit Kindern liegt der Fokus auf dem Prozess des Malens, der hier allerdings mit Pinseln stattfindet. Kinder können so nicht nur ihre Motorik schulen, sondern haben auch großen Spaß im Umgang mit dem neuen Werkzeug. Durch das Einhalten weniger Regeln und Rücksichtnahme auf die Gruppe erfahren sie am geschützten [Mal]Ort Stabilität und Struktur, gewinnen an Sozialkompetenz, Sicherheit und seelischer Stärkung. Wie der Erwachsene kann auch das Kind beim Malen von einer Überwältigung in eine Bewältigung kommen. Durch diesen Prozess können sie ihre Ressourcen [neu] entdecken und erweitern, ihre Selbstheilungskräfte werden angeregt und gestärkt. Jedes Kind wird dort abgeholt, wo es steht: Lebhafte Kinder finden hier Ruhe und Konzentration, zurückhaltende Kinder gewinnen an Selbstvertrauen.

Kinder genießen es, dass ihre Bilder hier nicht einfach ungefragt kommentiert oder gar "verbessert" werden. Sie kommen vom Tun [müssen] ins Sein [dürfen] und erfahren dadurch eine Akzeptanz ihrer gesamten Person. Durch ein Fehlen des äußeren [Leistungs]Drucks kann der innere Druck in Form von gemalten Bildern nach Außen gebracht werden, ohne dass sich jemand zur Schau gestellt und dadurch gehemmt fühlt. Bilder, die unter äußerem Druck entstehen, sind immer unauthentisch und haben mit dem eigentlichen Empfinden des Kindes in der Regel nichts [mehr] zu tun. Es entstehen dann Bilder, die den Vorstellungen des Erwachsenen entsprechen und ihm gefallen, für das Kind selbst aber keinerlei "positiven Nutzen" haben. Im DADAzwischen sollen die Kinder selbst entscheiden dürfen.

"Jedes Kind ist einmalig -

So bunt und vielfältig wie das Leben,

so kunterbunt wie die Natur in jeder Jahreszeit,

so facettenreich ist jedes Kind in seiner Entwicklung.

Denn das Kind ist neugierig

und hat ein eigenes inneres Bedürfnis,

sich die Welt durch Spielen, Probieren und

Experimentieren [...] anzueignen.

Das Kind hat keinen Trichter,

indem wir als Erwachsene das Wissen hineinwerfen,

sondern ist 'Akteur in seiner Entwicklung'."

- Jean Piaget, Schweizer Biologe und Entwicklungspsychologe



*Das Begleitete Malen eignet sich für Kinder ab etwa 3-4 Jahren.

Jüngere Kinder haben andere Erfahrungsbedürfnisse und sind deshalb im Kurs "Anfassen erwünscht!" besser aufgehoben. Gerne können wir aber auch persönliche Absprachen treffen und individuell schauen, welches Modell sich für ein Eltern-Kind-Malen am besten eignet.